Wer dem ersten Impuls folgt und denkt „Bitte nicht noch ein Ermittler“, der liegt bei Pater Angelico gänzlich falsch. „Die Farben von Florenz“ gehören nämlich zu den Büchern, die man unbedingt im Reisegepäck für den Sommerurlaub dabei haben sollte – und noch wichtiger ist dieser historische Krimi, wenn man in der verregneten Heimat bleiben muss. Rainer M. Schröder ist ein Autor, dem scheinbar alles gelingt: Eine ganze Legion Jugendbücher, Romane – alles meist mit historischem Hintergrund, neuerlich auch noch das Genre Zukunftsroman, und nun also Pater Angelico. Er ist Benediktiner-Mönch, Selbstdenker und Kirchenmaler. Und er wird in einen Todesfall verwickelt. Ein herrlich griffiger Plot mit allen Tricks und Kniffen eines gut gemachten Krimis: Der Malermönch lässt sich auf den Handel mit einem zwielichtigen Apotheker ein, der ihm eine Lieferung Lapislazuli für die Herstellung eines satten Blaus zum Spottpreis anbietet.
Pater Angelico lässt sich auf das Geschäft ein, bevor er aber die Grundstoffe für ein wichtiges Gemälde, das er für die Medici malen soll, bekommt, wird der Speziale, der Apotheker, erhängt in seinem Geschäft gefunden. Angeblich soll er selbst Hand angelegt haben. Schulden hätten gedrückt. Für die Polizei der Stadt ist die Sache klar: Selbstmord. Der widerborstige Pater hat allerdings so seine Zweifel und geht der Sache nach. Er stößt auf Korruption, Vertuschung und Eitelkeit. Semper idem, möchte man ausrufen. „Die Farben von Florenz“ sind an keiner Stelle langweilig, es gibt kein totes Motiv und, bei über 400 Seiten erstaunlich, keine einzige Länge. Historische Puristen werden die modernen erzählerischen Mittel kritisieren. Dem ist entgegenzuhalten: Die historischen Fakten, die Kulissen stimmen auf den Punkt, und sie sind so erzählt, dass sie für das Publikum heute gleichermaßen unterhaltsam wie belehrend sind. Rainer M. Schröder ist ein Autor der seinen historischen Bach auf einem Steinway spielt und damit mehr Klangfülle entfaltet, als die Freunde historischer Aufführungspraxis.
Reizvoll an dem Buch ist die historisch genaue Beschreibung der Lebenswelt, die spannende Handlung und die messerscharfen Dialoge über theologische Fragen.
Pater Angelico hat ein denkbar schlechtes Verhältnis zu seinem Klosterchef, was sich denkbar günstig für den Unterhaltungswert des Buches ausnimmt. Und ihm wurde ein Novize an die Seite gestellt. In den Gesprächen mit dem Glaubenszögling spielt Schröder mit Souveränität dialogisch Glaubensfragen des späten Mittelalters durch. Kurzum: Von solchen Ermittlern wie Pater Angelico kann man nicht genug bekommen. „Heimat & Geschichte“ wird ab sofort Ausschau halten, wenn sich der zweite Fall des sympathischen Betbruders ankündigt.
Das Buch aus dem Knaur-Verlag kann man hier bestellen.
Bild oben: Blick auf Florenz (Archiv Heimat & Geschichte).



